Wie ich 400 Urlaubsfotos durch einen „kostenlosen" Konverter verloren habe
Die Geschichte von Marina: Wie ein „kostenloser" Video-Konverter 400 Fotos verschlüsselte — und wie sie 380 davon zurückbekam.
Alles begann an einem ganz normalen Donnerstag. Marina war gerade aus dem Urlaub zurück, hatte über 400 Fotos gemacht und wollte ein paar Videoclips für ihre Social-Media-Kanäle zuschneiden. Bei der Suche fand sie eine Seite mit einem „kostenlosen Video-Konverter ohne Wasserzeichen". Der „Download"-Button war auffällig groß, daneben lauter begeisterte Bewertungen. Sie hat nicht zweimal nachgedacht.
Die Installation dauerte drei Klicks. Der Konverter selbst funktionierte allerdings nicht — er brach beim zweiten Schritt mit einer Fehlermeldung ab. Marina achtete darauf aber schon nicht mehr: In der Ecke des Bildschirms blinkte eine Meldung „Bedrohung erkannt! Für Update klicken." Sie klickte drauf.
Fünfzehn Minuten später färbte sich der Bildschirm gelb. Ein Fenster erschien: „IHRE DATEIEN SIND VERSCHLÜSSELT. ZAHLEN SIE 300 € ZUR ENTSCHLÜSSELUNG."
Marina wollte es zuerst nicht glauben. Dann öffnete sie den Fotoordner — statt „IMG_0234.jpg" lag dort nur noch „IMG_0234.jpg.locked". Ihr blieb fast das Herz stehen.
Ich saß nur da und habe geweint. Diese Fotos waren die einzige Kopie. Nicht in der Cloud, nicht auf einem Stick — nur auf dem Laptop. Ich dachte, alles wäre für immer verloren.
Als Erstes hat sie gegoogelt, wie man Dateien kostenlos entschlüsseln kann. Sie fand zehn Seiten, alle verlangten den Download eines „Entschlüsselungs-Tools". Sie lud drei davon herunter. Der Computer wurde noch langsamer, der Browser stürzte ständig ab, und in der Ecke des Bildschirms tauchten neue Werbe-Pop-ups auf.
In der vierten Stunde der Panik rief Marina ihren Bruder an — er arbeitet in der IT. Er sagte: „Zahl nicht. Installier ein Antivirenprogramm, lass einen vollständigen Scan laufen und fass sonst nichts an." Genau das hat sie gemacht.
Der Ablauf – Minute für Minute
- 1
0 Min. — Download
Kostenloser Konverter" von einer Seite aus der Suche. Auffälliger Button, begeisterte Bewertungen.
- 2
5 Min. — Installation
Drei Klicks. Der Konverter funktioniert nicht, aber in der Ecke blinkt „System aktualisieren".
- 3
20 Min. — Infektion
Sie klickt auf „Update". Im Hintergrund beginnt die stille Installation der Schadsoftware.
- 4
35 Min. — Verschlüsselung
Der Bildschirm färbt sich gelb. Dateien erhalten die Endung „.locked". Eine Lösegeldforderung erscheint.
- 5
4 Std. — Panik
Suche nach einem „Entschlüsseler", drei heruntergeladene „Reparatur-Tools" — der Computer wird noch schlechter.
- 6
5 Std. — Entscheidung
Anruf beim Bruder. Installation eines Antivirenprogramms. Vollständiger Systemscan.
- 7
6 Std. — Sauber
Der Scan findet 14 Bedrohungen und entfernt sie. 380 von 400 Fotos lassen sich aus Papierkorb und Cache wiederherstellen.
Anzeichen, dass dein Computer schon infiziert ist
- Avoid: Plötzliche Werbe-Pop-ups, die vorher nicht da waren
- Avoid: Der Computer wird ohne erkennbaren Grund spürbar langsamer
- Avoid: Der Browser öffnet von selbst merkwürdige Seiten
- Avoid: ein Antivirenprogramm (falls vorhanden) startet nicht mehr oder meldet Fehler
- Avoid: Dateien haben plötzlich eine andere Endung oder sind verschwunden
- Do: Kommt dir auch nur einer dieser Punkte bekannt vor — führe jetzt einen vollständigen Scan durch.
Marina konnte 380 von 400 Fotos retten. Die zwanzig neuesten, vom letzten Urlaubstag, waren unwiederbringlich verloren. „Ich sichere jetzt alles in der Cloud. Und ich schalte mein Antivirenprogramm nicht mehr aus — auch wenn es nervt", sagt sie.
Seitdem hat Marina drei Regeln: nur von offiziellen Seiten herunterladen, niemals auf „Update"-Pop-ups klicken und einmal im Monat einen vollständigen Scan durchführen. Seit diesem Abend hat sie ein Antivirenprogramm installiert. Die kostenlose Version, sagt sie, „macht ihre Arbeit, stört nicht und nervt nicht mit Werbung".
Häufig gestellte Fragen
ätte man das Lösegeld nicht zahlen müssen?
Ja. In rund 90 % der Fälle funktionieren die Entschlüsseler der Erpresser nicht oder kosten am Ende genauso viel wie das Lösegeld selbst. Besser: die Schadsoftware entfernen und die Dateien aus einem Backup wiederherstellen.
Was tun, wenn die Dateien schon verschlüsselt sind?
Nicht neu starten, die Internetverbindung trennen und das System mit einem sauberen Virenscanner prüfen.
Reicht eine kostenlose Antivirus-Version?
Für den Basisschutz oft ja. Kostenpflichtige Versionen bieten meist zusätzlich Echtzeitschutz, VPN und einen Passwort-Manager.
Wie vermeide ich das beim nächsten Mal?
Nur von offiziellen Quellen herunterladen, Update-Pop-ups ignorieren und regelmäßig ein Cloud-Backup anlegen.

